Nein, ich meine nicht die Ehe oder Ehepartner, die sich auf dem Reichtum ihres Partners ausruhen. Ich möchte über Tiefsee-Anglerfische und deren doch etwas fremdartiges Sexualleben berichten.

Tiefsee-Anglerfische (Ceratioidei) sind je nach Art in verschiedensten Tiefen (1000 – 4000 m, teils auch schon ab 300 m Tiefe) anzutreffen und in allen Meeren verbreitet. Aufgrund ihres Verbreitungsgebietes sind sie bisher nur wenig erforscht. Es konnten nur vereinzelt Beobachtungen am lebenden Exemplar gemacht werden – die meisten Erkenntnisse stammen aus Untersuchungen von Totfängen.

Sie gehören nicht gerade zu den Schönheiten des Meeres. Sie hab einen aufgedunsenen Körper, der nach hinten immer schmaler zu läuft. Vorn wird er von einem riesigen meist zahnbewerten Maul geziert. Die Rückenflosse ist bei den Weibchen zu einem dünnen, langen Fortsatz ausgebildet, der zum Maul hin gebogen ist und am Ende in einem kleinen Tropfen endet, der mit lumineszierenden Bakterien gefüllt ist. Diese als Beuteattrappe funktionierende Flosse ist bis auf zwei Arten bei allen Anglerfischen (160 bekannte Arten) vorhanden.

Weibliche Tiere schaffen es auf eine Größe von 6 cm bis 1,2 m. Die Männchen der Tiefsee-Anglerfische leiden an Zwergwuchs und schaffen es gerade einmal auf 5 – 10 % der Größe der Weibchen. Früher wurden sie deshalb für verschiedene Arten gehalten – wobei man sich wunderte, warum man eben von der einen nur weibliche und von der anderen nur männliche Tiere fand. Eine weitere frühere Vermutung war, dass es sich bei den Männchen um Larven handelte.

Dafür haben die Männchen besonders stark vergrößerte Augen und Geruchsorgane. Genau das brauchen sie in den Weiten ihres Lebensraumes, um ein Weibchen aufzuspüren. Denn nur das machen sie, sobald sie aus dem Larvenstadium entschlüpft sind.

Haben sie ein Weibchen gefunden, beißen sie sich in die Haut im Bauchbereich oder die unteren Flanken fest. Da bekommt das Wort „klammern“ eine ganz neue Gewichtung.

Besondere Auswüchse am Ober – und Unterkiefer des Männchens führen zur Verschmelzung der beiden. Nicht nur die Haut verwächst der beiden, sondern das Männchen dockt sich auch an den Blutkreislauf des Weibchens an. So verbunden ist das Männchen nicht mehr in der Lage sich selbständig zu ernähren und wird vom Blutkreislauf des Weibchens versorgt. Der männliche Anhang laicht mit dem Weibchen, welches diesen durch Hormone dazu stimuliert.

Bei den meisten Arten der Anglerfische, die diese spezielle Art der Partnerschaft praktizieren findet sich pro Weibchen zumeist ein männlicher Anhang. Bei einigen Wenigen können es aber auch durchaus mehrere Männchen sein, die sich an einem Weibchen festbeißen – der bisher spektakulärste nachweisbare Fund waren 8 Zwergmännchen an einem Weibchen.

Durch die Verschmelzung der Organismen bedeutet der Tot des Weibchens folgenschwer auch den Tot all seiner Anhängsel.

In guten wie in schlechten Zeiten! Sogar gemeinsam bis in den Tod… ist diese Art der Partnerschaft jetzt hoffnungslos romantisch oder einfach nur gruselig?

Advertisements